Dr. Lübkea

Herr Kohl, bitte vollenden Sie den folgenden Satz: Der heutige Abend ist für mich ein Gewinn, wenn


Kohl

das was ich heute über die Themen Inneren Frieden, Versöhnung, Lebensgestaltung sagen möchte, bei ein, zwei Menschen, die hier im Raum sind, ein Echo findet.


Lions

Herr Kohl, Sie wurden als erster Sohn von Hannelore und Dr. Helmut Kohl 1963 in Ludwigshafen geboren und sind in einer normalen Familie aufgewachsen, oder?


Kohl

Was heißt normal? Bei meiner Geburt 1963 war die Welt unserer Familie noch relativ normal, zu meiner Einschulung 1969 war sie schon am Rande der Normalität angekommen, da mein Vater fast zeitgleich zum Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, also zu einem Entscheider gewählt worden war. Sein politisches Wirken begann das Leben vieler Menschen zu beeinflussen. Zudem war er damals ein Rebell, der Reformer, der den wahrgenommenen Stillstand einer alteingesessenen Politikgeneration überwinden wollte. Schon am ersten Schultag war mir klar, dass ich nicht als normaler Schüler angesehen wurde, sondern als „anderer unter gleichen“, eben als Sohn vom Kohl. Ein Sechsjähriger weiß nichts über Landespolitik, Gebietsreformstreit oder andere damals aktuelle politische Konflikte. Das ist völlig jenseits des Horizonts eines Kindes, aber es spürt, dass es anders behandelt wird für etwas, was es nicht versteht, nicht sieht.


Dr. Lübke

In ihrem Buch heißt es ja – leben oder gelebt werden – ist das Buch ein Beitrag dazu mit dem Leben zurechtzukommen? Ist das Gefühl gelebt zu werden heute schon verarbeitet?


Kohl

Ich habe lange Jahre sehr unter meiner Biographie gelitten, insbesondere den Erfahrungen im Terrorismus, die Gewalt auch zu Zeiten der Friedensbewegung. Dabei habe ich den Fehler gemacht, mich zu vergraben und nach einem“Warum?“ sowie nach externen Schuldigen zu suchen. Nach meiner großen Lebenskrise 2002/03 wurde mir klar, dass es gar nicht darum geht, was passiert ist, sondern darum, wie man mit dem was passiert ist, umgeht. Und das „Wie?“ hat sich dann in den Vordergrund gedrängt. Hier lag der Schlüssel zu meiner Lösung. Und dieses neue „Wie?“ nenne ich Versöhnung, ein innerer Friede, jenseits des „Warum?„, jenseits der Gerechtigkeit.


Lions

Ist das eine Versöhnung mit dem Umfeld, Familie, mit Menschen oder mit einer Situation?


Kohla��

Zunächst, was heißt Versöhnung? Für mich subjektiv ist Versöhnung die Kraft, die einen Menschen zu sich selbst und anderen führt. Versöhnung betrifft alle Lebensbereiche wo immer auch Schmerz wohnen mag, also auch das Umfeld, die Familie und ganz besonders einen selbst.


Lions

Also heißt Versöhnung, in erster Linie mit sich selbst?


Kohl

Ja, Versöhnung beginnt in dir und kann nur aus dir heraus wachsen.


Lions

Und wie ist es mit der Versöhnung mit Ihrem Vater? Haben Sie mit ihm über das Buch sprechen können?


Kohl

Mein Vater möchte nicht mit mir über das Buch sprechen, also spreche ich nicht mit ihm darüber. Ich respektiere seinen Willen und weiß, dass es sehr schwer ist ihn von gewissen Dingen zu überzeugen, die er anders sieht. Dafüist er ja bekannt und das ist auch Teil seines politischen Erfolgs gewesen. Ich respektiere seinen Wunsch. Da ich seine Haltung schon vor der Veröffentlichung ahnte, habe ich mich für eine einseitige Versöhnung mit meinem Vater entschieden. Diese ist detailliert auf den letzten zwei Seiten des Buches nachlesbar.


Dr. Lübke

Danke, dass Sie sich unseren Fragen gestellt haben.


Kohl 

Herzlichen Dank, dass ich bei Ihnen sein konnte.


Trostbären

Johanniter Trostbären für kranke Kinder übergeben

Mehr erfahren

Chako Habekost

„CHAKO“ tritt für Spender
auf…

Mehr erfahren 

JHG Pfalz

Würdigung der Leistung…

Mehr erfahren 

Kinderzentrum

Therapiestuhl für Kinderheim gespendet…

Mehr erfahren